Calas, Caps und Carbonara

Sonnenuntergang auf einer Terrasse hoch über dem Hafen von Bonifacio. Deutlich hob sich die Silhouette des schlafenden Löwen gegen den Abendhimmel ab - die berühmte Felsformation im Südwesten der Insel. Sie erinnerte uns daran, daß wir immer noch in seinem Reich waren, betrachteten aber seinen momentanen Zustand als gutes Omen für unseren morgigen Schlag durch die berüchtigte Straße von Bonifacio, wo es somst immer zwei bis drei Windstärken mehr hat, wegen des bekannten Düseneffektes.

Tatsächlich waren die Bedingungen am nächsten Morgen ideal: Knallblauer Himmel mit leichten Cumuli, nur leicht bewegte See und ein freundlicher Nordwest - besser konnten wir es gar nicht treffen, um auf südöstlichem Kurs ins Maddalena - Archipel zu segeln. Das lockere Hinüberrauschen in eines der schönsten Reviere des Mittelmeeres versetzte uns dermaßen in euphorische Stimmung, daß wir beinahe vergaßen, die Gastlandflagge zu wechseln.

Wir waren in Italien! Die Costa Smeralda, Tummelplatz der internationalen Jachtschickeria, Boulevard für das Sehen und Gesehenwerden, wo man als VIP, als member der upper class, als Sproß des Geldadels und - natürlich - als Jachtbesitzer, so richtig zeigen konnte und wollte, was man hatte.

Die Marinas in dieser Gegend gehören zweifellos zu den schönsten , aber auch zu den teuersten des Mittelmeeres, was einen nicht zu wundern braucht, wenn man nur einmal betrachtet, was da so alles an Megajachten in den Buchten liegt.

Ist die Architektur des künstlichen Feriensiedlungen noch einigermaßen akzeptabel, so erzeugen die 30 - 100 Fuß langen und bis zu 260 Tonnen schweren Motorjachten , den sogenannten "Gin Palaces", einen aufreizenden Kontrast dazu. Wo man suchte Harmonie zu schaffen suchte, da wird diese durch den Anblick und den Gestank und den Lärm dieser Protzobjekte wieder zerstört. Nirgendwo sonst auf unserer Fahrt ist uns dies so ins Auge gesprungen, wie hier an Sardiniens Renommierküstenstrich. Müßte man sich nicht als kleiner, armer Segler hüten vor der ständigen Bedrohung, die von der Rücksichtslosigkeit dieser PS - strotzenden Ungeheuer ausgeht, so könnte man dem Ganzen sogar noch eine amüsante Note abgewinnen. Diese schwimmenden Paläste unterscheiden sich rein äußerlich nur durch ihre Größe und die Höhe der Steuerstände, und auch die Rollenverteilung der an Deck sichtbaren Personen war fast immer ähnlich: Auf dem überlangen, mit zahllosen Polstern ausgelegten Vordeck, räkelten sich , je nach pekuniärer Potenz des Besitzers, 2 - 6 sonnenölglänzende Tanganixen, auf dem beschatteten Achterdeck saß, mit typisch amerikanischer Admiralitätsmütze auf dem Kopf und eisgekühltem Longdrink in der siegelringverzierten Hand, der Eigner. Ganz oben, am Steuer und den Gashebeln, stolzer Herrscher über zweimal 500 PS ( oder mehr ), den Blick hinter einer Mafiososonnenbrille verborgen, T - shirt mit Schiffslogo auf der Brust, der bezahlte Skipper. Der Rest der Crew war, ebenfalls uniformiert, als Leinen - , Anker - , oder Fenderhand irgendwo sonst an Deck beschäftigt.

"Nicht nied’rer Neid ist Nenner dieser Niederschrift - ,

nein, Zorn ist Zähler des Zynismus dieser Zeilen !"

Und zwar über die maßlose Arroganz vieler dieser Motorjachtbesitzer. Nicht nur, daß sie glauben, die See gehöre ihnen allein und es wäre nur eine Frage der PS - Zahl, wer Vorfahrt habe, nein . auch, oder erst recht im Hafen beweist sich deren Überheblichkeit. Nur wer mal neben einem stinkenden und lärmenden Dieselgenerator, der Strom für die Kaffeemaschine und die Tiefkühltruhe erzeugt, und auch auf wiederholtes, höfliches Bitten nicht abgestellt wird, seine Nacht verbringen mußte , weiß , wovon hier die Rede ist.

 

Grün ist die Farbe Sardiniens. Grün seine weiten Wälder, grün die Wattebauschkronen der Pinienhaine, grün das glashelle Wasser über dem Sandgrund der zahllosen Buchten.

An der Ostküste entlang gondelten wir in Richtung Süden. Vorbei an Olbia, dem riesigen Tafelberg der Isola Tavolara, den man laut Hinweis des Handbuches nicht fotografieren darf, weil es militärisches Gebiet ist. Trotzdem wird er täglich von zahllosen Touristen abgelichtet, will hier die Fähren im Stundentakt vom italienischen Festland einlaufen.

Wir segelten weiter die Küste entlang, die nun steiler und bergiger wird, und bald kam Cala Gonone in Sicht, einer der wenigen Schutz bietenden Häfen in diesem Küstenabschnitt.

Doch welch Tohuwabohu erwartete uns dort ! Schon vor der Hafeneinfahrt standen die Charterjachten Schlange, um sich noch einen Platz in dem viel zu kleinen und daher völlig überfüllten Hafenbecken zu ergattern. Dazu Schwell von ein - und auslaufenden Ausflugsbooten, dazwischen , stoisch und stur , Fischer , zu ihren Liegeplätzen fahrend. Schimpfende und gestikulierende Skipper auf Deck und an der Pier ,slippende Anker auf kiesigem Grund, quietschende Fender , Kettensalat klarierende Crews.

Wir machten auf der Stelle kehrt und suchten das Weite. Gerade einmal zehn Seemeilen weiter südlich, in einer von hohen Felswänden umgebenen Bucht, unmittelbar vor einem weitläufigen Sandstrand, fiel unser Anker,

Ruhe umgab uns hier, Immer weniger konnten wir verstehen, was andere veranlaßte, einen überfüllten Hafen aufzusuchen, wenn man hier, ein paar Meilen weiter, friedlich vor Anker liegen konnte. Die Aussicht auf eine Dusche oder ein Essen im Restaurant muß auf manche eine magnetische Anziehungskraft ausüben. Oder ist es das Gefühl der Sicherheit, was viele die drangvolle Enge an der Pier ertragen läßt ? Bestimmt hat es auch etwas mit dem Geselligkeitsstreben des Menschen zu tun, einem Kommunikationsbedürfnis, dem hier entsprochen wird, der Plausch über die Reling mit dem Nachbarn de Erfahrungsaustausch, das "woher", "wohin", Knüpfen neuer Kontakte - so etwas geht natürlich einfacher, weil direkter, im Hafen.

So philosophierten wir, den Sternenhimmel über uns, leichtes Wellengewoge unter uns, noch lange in den Abend hinein, einen hervorragenden "Vino rosso d’Ogliastra" in den Gläsern.

 

"Chiammata generale, chiammata generale...". das italienische "Charly - Quebec", der "Anruf an alle" leitete den italienischen Wetterbericht ein der uns auch heute nichts Neues verkündete: Ein stabiles Hoch über dem zentralen Mittelmeer, schwache , umlaufende Winde, glatte See. Für uns bedeutete dies, die Segel verpackt und den Motor an zu lassen.

Noch über die Launenhaftigkeit der Windgötter nachdenkend ( entweder zuviel oder zuwenig Wind ), wurden wir sehr bald abgelenkt von der malerischen Küste, die an –Steuerbord langsam an uns vorüberzog. Hier , zwischen dem "Capo di Monte Santu" im Süden, und dem "Capo Comino" im Norden erstreckt sich der Golfo di Orosei, so benannt nach der gleichnamigen Küstenstadt.

Stellenweise ragt die Steilküste hier bis zu 600 Metern in die Höhe , unterbrochen nur von den Calas, den Buchten, die tiefe Einschnitte in der Felswand bilden und oftmals nur von See her zu erreichen sind. Fast alle Calas besitzen einen Sandstrand von bester Qualität und sind so im Sommer Anziehungspunkt vieler Bade- und Ausflugsboote, die von Cala Gonone aus Schwärme von Bade- und Sonnenhungrigen an - und gottseidank auch wieder abtransportieren.

Am Abend ist man in den Buchten so gut wie allein, höchstens in Begleitung einiger anderer Charter- oder Fahrtenschiffer .Eigentlich wollten wir einen Blick in die "Grotta del Bue Marino" werfen, jener Grotte, in der vor 15 Jahren noch Mönchsrobben lebten. Angesichts der sich stapelnden Boote aller Größenordnungen vor und in der Höhle, nahmen wir sehr bald Abstand von unserem Plan. Daß es heute keine Mönchsrobbe mehr wagte, auch nur für einen Flossenschlag in die Nähe zu kommen, braucht niemanden zu wundern. Was blieb war der grandiose Anblick dieses einzigartigen Küstenabschnittes, der uns sogar das leidige Motoren etwas leichter ertragen ließ.

Die Sonne schenkte uns ein letztes Strahlen, bevor sie hinter den hohen Bergen Sardiniens verschwand, und wir in den Hafen von Arbatax einliefen. Ursprünglich wurde der Hafen konzipiert für die Papierindustrie, die Arbeitsplätze bringen sollte, dies aber nicht konnte, weil sie pleite ging. So blieben die langen Verladekais von der Großschiffahrt ungenutzt.

Man besann sich bald eines besseren und gestaltete einen Teil des Handelshafens um, diesmal in eine Marina für die Sportschiffahrt. Offensichtlich hatte die EG keine Kosten gescheut und eine Anlage für ca. 300 Schiffe mit allen Serviceeinrichtungen gebaut. 50 - Tonnen - Travellift, , 10 - Tonnen - Hebekran, Tankstelle, Altölentsgungsstation ( ! ), Elektro- und Wasseranschluß, für jeden Liegeplatz und Stellplätze an Land auf einem Areal so groß wie ein Fußballfeld. Nur eines fehlte: Es waren keine Boote da ! In den Boxen dümpelten kleine Fischerboote, die Lifte waren noch verplombt, und kein Öltropfen verunzierte den Boden rund um die Abpumpstation.

Wir konnten uns das Phänomen nicht so recht erklären und fragten nach. Die Antwort war genauso simpel wie einleuchtend. Die Marina war erst im Frühjahr fertiggestellt worden und die jetzigen hohen Liegegebühren wurden von den Jachties umgangen, indem man, wie zuvor auch, im alten Fischerhafen lag, wo man nur ein Viertel des Marinapreises bezahlen mußte. Irgendwie wirkte dieser riesige Komplex auf uns, die wir die Umtriebigkeit in Marinas kannten und gewohnt waren, wie eine Geisterlandschaft. Abgetrennt, abgeschlossen und abgeschieden. War dies etwa wieder ein weiteres Beispiel für die mancherorts sichtbaren Ergebnisse italienischer Wirtschaftskungelei? Es schien uns fast so.

Also lagen auch wir an der Pier vor dem Fischerhafen und fühlten uns dort wohler als in der verlassenen Marina. Eine kleine Segeljacht näherte sich mit dem letzten Tageslicht dem Anleger und machte Anstalten, in den noch freien Platz neben uns zu gehen. Wie üblich ging Claudi an die Pier, um die Festmacher entgegenzunehmen. Als das Schiff in die Lücke glitt, fiel mein Blick auf den Namen, und ich glaubte, meinen Augen nicht zu trauen. Mein nächster Blick galt dem Skipper, nein, das war nicht ... und auch die beiden quirligen, blondschöpfigen Kinder, die die Fender versorgten paßten nicht. Und die Skipperin, am Heck stehend und sich für die Hilfe bedankend, hieß (wie sich später herausstellte) auch nicht Astrid. Und doch war der Schiffsname unverwechselbar: KATHENA II. War dies jenes Schiff, mit dem Wilfried Erdmann und seine Frau um die Welt gesegelt waren?

Der Skipper sah meinen fragenden Blick und lächelte. Offensichtlich kannte er solche Situationen schon: Der Name, ein Begriff in der deutschen Segelliteratur, und sein Gesicht paßten nicht zusammen.

Er kam dann auch meiner Frage zuvor: "Ja, es ist die KATHENA. Wir haben sie dem Wilfried abgekauft." Na, das gab dann Erzählstoff für den Rest des Abends. Claudi und ich im Cockpit von KATHENA II sitzend, plaudernd, lachend, zuhörend - ein merkwürdiges Gefühl. Meine Hand strich gedankenvoll über diese Winschen - da hatte man nun alle Bücher von Erdmann gelesen, ja verschlungen, und nun saß man hier in diesem Boot, das noch so viel mehr zu erzählen hätte - ich will mich nicht in Glorifizierungen ergehen, aber es war trotzdem ein erhebendes Gefühl für einen seglerischen Grünschnabel wie mich.

Der nächste Tag brachte Flaute und damit auch drückende Hitze. Trotz Sonnensegel war es im Cockpit fast nicht auszuhalten. Beim reparieren unseres kleinen Stromgenerators, altes Benzin hatte den Schwimmer im Vergasergehäuse verklebt, wurde ich durch eine Art Schienenfahrzeug abgelenkt, welches soeben in den winzigen Bahnhof hinter dem Fischerhafen einfuhr. Der Anblick kam mit doch irgendwie bekannt vor? Claudi, in den Reiseführer vertieft, war schon mit Informationen zur Stelle.

"Das muß der Zug nach Lanusei sein. Das liegt dort oben in den Bergen."

Sie deutete in Richtung der im Mittagsdunst bläulich schimmernden Bergkette.

"Hier steht, daß s eine äußerst malerische und abwechslungsreiche Fahrt sein soll ..."

Ich hockte ihr gegenüber, den Schraubenzieher in der Rechten, in der Linken das Vergasergehäuse und blickte sie nur wortlos mit hochgezogenen Brauen an.

"Ach so ...", jetzt viel auch ihr ein, woran ich schon seit ein paar Sekunden dachte. Einer der vielen Vorteile, wenn man über längere Zeit zusammen an Bord lebt, ist, daß man sich auch ohne Worte versteht. Daß unser Bedarf an Zugausflügen seit Ajaccio fürs erste gedeckt war, erübrigte weitere Worte.

 

Das Wetter blieb schön, der Wind blieb schwach. Im Meeresschneckentempo schlichen wir an der Ostküste südwärts. Ausgedehnte, einsame Sandstrände, pinienbewaldete Hügel, Kaps mit den typischen genuesischen Wachttürmen zogen langsam an uns vorüber. Mehr als uns lieb war mußten wir den Jockel anwerfen und motoren. Dem ging immer ein innerer Kampf voraus, hatten wir uns doch zu Beginn unserer Reise geschworen, solange es immer ginge, zu segeln, egal, wie langsam wir auch vorankommen würden. Theoretische Versprechungen waren das eine - bei 40 Grad im Cockpit zu sitzen, ohne kühlende Brise, schlagende Segel - das andere.

Seit einer Stunde ging das nun schon so, und wieso Peregrin immer noch 0,8 Knoten lief, war uns eigentlich ein Rätsel, Claudi warf einen Blick ins Wasser, um festzustellen, wieviele Seepferdchen wohl da unten am Kiel zogen. Spaß beiseite, aber unter diesen Bedingungen kam dann doch der Griff zum Zündschlüssel, und der kühlende Fahrtwind verdrängte bald die letzten Skrupel.

Endlich, am 6. August um 12.25 Uhr Ortszeit war "Capo Carbonara" Steuerbord querab, und dies ausnahmsweise bei freundlichen 4 Windstärken. Der Name dieses südöstlichsten Kaps von Sardinien ließ mir das Wasser im Mund zusammenlaufen, erinnerte er mich doch an meine Lieblingsspaghetti. Ich hatte mir versprochen, nach seiner Umrundung, mir dieselben in einer gemütlichen Trattoria zu gönnen.

Doch kam es wieder einmal anders als geplant. Waren wir am Kap noch zuversichtlich, abends in Cagliari zu sein, so frischte und schralte Freund Wind auf einmal munter drauflos. Nichts war’s mit Cagliari. Wir mußten die Nacht im Hafen von Villasimius verbringen, schaukelig und unruhig. Am anderen Morgen dachte der Wind gar nicht daran, aus einer anderen Richtung zu wehen. So blieb uns nichts weiter übrig, wollten wir noch nach Cagliari, die 18 Seemeilen gegenan zu kreuzen. Wie weit können 18 Seemeilen sein?

Ziemlich müde, geschafft vom ständigen ein - und ausreffen, Ruder gehen bei ruppiger See und zahlreichen Wendemanövern, erreichten wir gegen Abend die Einfahrt zu Cagliaris großen Handelshafen. Segel bergen und anlegen schienen nur noch Formsache zu sein. Ich sah die Spaghetti schon vor mir. Doch erneut lehrte uns das Schicksal, daß man sich nicht zu sehr auf einen einmal gefaßten Plan versteifen sollte...

Alles sollte kein Problem sein. Gastliegeplätze waren , laut Handbuch und Führer, im inneren Hafenbecken, gleich gegenüber der Hafenmeisterei zu finden. Fahrtensegler hatten über ausreichendes Platzangebot berichtet. Selbst der TO - Stützpunktleiter von Cagliari hatte uns empfohlen, dort anzulegen.

Als wir um den letzten Molenkopf in das enge Hafenbecken einbogen, sahen wir die Bescherung : Die vorherrschende Farbe im Rund war grau - das Grau der italienischen Marine, die den Gästehafen kurzerhand konfisziert hatte. Nicht einmal für eine graue Maus wäre mehr ein Plätzchen frei gewesen, überall nur Abwinken, gestenreiches Gestikulieren in Richtung Hafenausfahrt. Wir drehten mehr überrascht als verärgert um und gingen an der Dampferpier längsseits. Aber auch dort sahen wir noch kein Land. Um uns herum huschten Ratten, stinkende Abfallberge türmten sich auf der Pierkante, und der ablandige Wind blies wolkenweise Split und Staub aufs Deck.

Also hieß es wieder Leinen los und ablegen - , aber wo sollten wir hin ?

Das Risiko, an einer entfernten, unbeleuchteten und einsamen Pier unliebsame Besucher, und nicht nur Vierbeinige, abwimmeln zu müssen, war uns zu hoch. Es blieb uns nur jene Möglichkeit, von der wir wußten, daß sie eine große Lücke in unserer Bordkasse hinterlassen würde: Die Steganlage der "Lega Navale Italiana" im Ostteil des Hafens.

Irgendein Artikel kam mir in Erinnerung, der von gewissen Abneigungen der Lega gegenüber durchreisenden Fahrtenseglern berichtete, und so näherten wir uns voller Skepsis.

Nun, zumindest was die vermeintliche Abneigung betraf, so war unsere Skepsis völlig unbegründet. Wie schon so oft vorher, konnten wir feststellen, daß man auf Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft stößt, wenn man in der Landessprache mit den Leuten reden kann. Auf einmal war alles sehr einfach : Liegeplatz, Strom, Wasser, Duschen - alles war da, aber alles hatte natürlich auch seinen Preis.

Zuerst mußten wir eine einmalige Einschreibegebühr von dreißig Mark bezahlen. Damit waren wir Mitglied der Lega und durften nun auch einen Liegeplatz beanspruchen, der uns pro Tag dann noch einmal dreißig Mark kostete. Wir reagierten etwas mit Zähneknirschen, weil wir ja wußten, daß es nebenan nur einen Bruchteil dessen gekostet hätte. An diesem Abend aber waren uns die Kosten ziemlich egal und wir waren zu müde zum Nachrechnen. Wir waren nur froh, endlich Ruhe zu haben. Ach ja, und im Clubrestaurant gab’s dann auch endlich eine Extraportion erstklassiger Spaghetti Carbonara !