Taxi Kosta
 
Verdammt, da wird Eleni aber wieder ganz schön sauer sein, wenn ich heute Abend Überstunden mache, aber was soll’s, so eine Gelegenheit Geld zu verdienen gibt’s nicht alle Tage!
Diesen Streik schickt uns die Heilige Panagia Sofia!
Alle Busfahrer Athens sind im Ausstand! In den Straßen herrscht das Chaos!
Stundenlange Staus auf dem Weg zur Arbeit. Am besten, man geht zu Fuß oder nimmt sein Fahrrad - aber welcher Grieche besitzt schon ein Fahrrad?
Es gibt bestimmt mehr Griechen, die zwei Autos besitzen oder ein Auto und einen Esel, als Griechen, die ein Fahrrad haben!
Ah, endlich wieder einen Platz vorgerückt.
Haha, da vorne prügeln sie sich wieder um das erste Taxi, und die Kollegen stehen daneben und lachen! Na ja, Kunststück, die haben gut lachen!
Unsere Gewerkschaft hat gesagt, wir sollten uns mit den Kollegen Busfahrern solidarisch erklären und auch streiken, um höhere Tarife zu bekommen.
Idioten! An den Streiktagen verdient man als Taxifahrer mehr als sonst in einem Monat! Die haben doch keine Ahnung!
Und dann - das mußte ja so kommen nach der letzten Wahl. Opa Papandreo von der PASOK hatte das Blaue vom Himmel herunter versprochen. Klar , daß das nicht gut gehen konnte! Gewählt hab’ ich ihn trotzdem, weil ich wußte, daß er seine Wahlversprechen nicht halten würde und daß es zu Streiks kommen würde. Denn wir, die Taxifahrer , verdienen uns bei Streiks eine goldenen Nase!
Aber es war ja auch mal wieder an der Zeit, daß man diesen Blutsauger Mitsotakis von der Nea Demokratia abservierte! Diese Bonzen haben ja nur noch in die eigene Tasche gewirtschaftet!
Ela! Jetzt bin ich gleich dran! Schnell geht das heute! Hoffentlich bekomme ich wieder drei Kunden auf einmal. Da kann ich wieder den doppelten Normaltarif pro Kunde verlangen. Besonders, wenn es sich wieder um einige dieser dummen Touristen handelt, von denen kann man ja egal welche Summe verlangen, die zahlen und blicken’s nicht! Letzthin hat Stavros nur vom Omonia zum Syntagma das zehnfache verlangt und auch gekriegt!
Amerikaner. Bei denen klappt’s am besten.
Ich darf nicht vergessen, das Gepäck extra zu berechnen. Pro Koffer gleich noch einmal tausend Drachmen dazu.
Noch zehn Minuten, dann kann ich auch noch die Masche mit dem Nachttarif auspacken - todsichere Sache, glaubt fast jeder!
Na endlich, jetzt geht’s los!
Ti krima! Nur zwei Pärchen diesmal, aber dafür fast dieselbe Richtung. Keine Umwege. Spart Sprit und Zeit.
Der blonde Typ kann ein bißchen Griechisch. Bestimmt Deutscher. Tut so, als ob er sich hier auskennt. Bildet sich’s zumindest ein. Egal, ich quatsche mit ihm weiter auf Englisch. Will mit seiner Freundin ins Hotel Tempi. Hoppla! Kennt sich wohl doch ein bißchen aus? Das Tempi ist billig , gut und zentral gelegen.
Die anderen wollen nach Kolonaki, da bleibt mir ein kleiner Umweg wohl nicht erspart.
Außerdem sind das Griechen, da muß ich wohl korrekt kassieren. Am besten draußen, damit die Deutschen nichts mitkriegen. Den Trick mit dem kaputten Taxameter haben die auch nur unter Protest geschluckt. Na ja, an einem Tag wie heute kann man sich ja alles erlauben.
Doxa to theo! So, die Griechen hab’ ich weg, ich glaub’ die Deutschen haben nix gemerkt. Jetzt schnell über den Syntagma runter zum Monastiraki.
Eleni liegt mir schon seit Wochen in den Ohren wegen des neuen Fernsehers. Stavros und Melina haben nämlich auch schon einen. Na, vielleicht können wir uns nach dem Streik einen kaufen.
So, da wären wir. Jetzt schnell die Koffer raus, abkassieren und am Omonia wieder anstellen .Vielleicht reichts noch zwischendurch zu einer kleinen Schwarzfahrt.
Also mal schnell rechnen. Normalfahrt zweitausend, plus zweitausend für die Koffer, plus nochmal zweitausend für den Nachttarif, das macht sechstausend, na, sagen wir sechstausendfünfhundert, klingt besser, vielleicht springen dann noch fünfhundert Trinkgeld dabei raus.
Was? Der weigert sich, zu bezahlen? Sagt mir, mir!, das wäre viel zu viel, und ob ich noch ganz richtig im Kopf wäre?? Auf Griechisch! Na, dem werde ich helfen!, jetzt rede ich mit dem mal Griechisch!
Hilft nichts. Der bleibt hart. Na, dann zum nächsten Mittel. Ich drohe mit der Polizei!
Wie bitte? Der sagt mir doch glatt, ich solle sie ruhig holen, wenn ich es nicht täte , würde er es machen! Und jetzt schreibt er sich auch noch die Nummer von meinem Taxi auf! So ‘ne Sch...! Verdammt, das kann ins Auge gehen! Letzten Monat haben 78 Kollegen die Lizenz verloren, weil sie versucht haben, die Touris zu bescheißen, äh, ich meine sich ein Trinkgeld zu verdienen.
Na gut. Ich gehe mal auf fünftausend runter. – Na so was! Behauptet der doch glatt, er bezahle zwofünf und keine Drachme mehr. Kofferzuschlag gebe es nicht und Nachttarif erst ab 22 Uhr. Außerdem würde das Fahren mit kaputtem Taxameter mich die Lizenz kosten! Was mache ich denn jetzt`???
Okay, bevor ich in Schwierigkeiten komme wegen dem da, nehme ich lieber die Scheine, die er mir da hinhält. So ein hinterhältiger Hund! Immer auf uns arme Taxifahrer!
Scheißtourist! Malaka!
Mach’ ich, daß ich fortkomme. So wird’s nie was mit dem neuen Fernseher!
Na, vielleicht klappt’s bei der nächsten Fuhre wieder.
Hoffentlich ist es ein Amerikaner!